Fachexkursion des DVGW in Kamenz

Thema Strukturwandel Lausitz – Auswirkungen auf die Wasserversorgung auf der Baustelle Trinkwasserleitung KM – Skaska
Am 28.08.2024 führte der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW), Bezirksgruppe Dresden, eine Fachexkursion zur Baustelle der ewag kamenz, Bau einer Trinkwasserleitung von Kamenz nach Skaska, durch. Der Vorstand der ewag kamenz, Herr Torsten Pfuhl, erläuterte die Veranlassung und Zielstellung der Arbeitsgemeinschaft Trinkwasserverbund Lausitzer Revier auf der Baustelle der PRIO1-Maßnahme „Trinkwasserleitung Kamenz-Skaska“. Der zwischen der Politik, Verbänden und Unternehmen ausgehandelte Kohlekompromiss eröffnet der Lausitz neue Perspektiven für die Zeit nach dem Kohleausstieg. Das dadurch auf den Weg gebrachte Strukturstärkungsgesetz zielt darauf hin, durch Wachstum Strukturwandel und Beschäftigung eine ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltige Transformation in Gang zu setzen. Die Wasserversorgung spielt in diesem Prozess eine bedeutende Rolle. Sie ist eine Grundvoraussetzung für Lebensqualität und wirtschaftliche Entwicklung. In der Lausitz steht dieser Strukturwandel vor besonderen Herausforderungen, wie Wegbrechen industrieller Kerne durch die bisherige Kohleförderung, -verstromung und -eredlung, dem bereits seit längerem gegebenen Bevölkerungsrückgang und starker Ausdünnung ganzer Stadtteile infolge von Abwanderung und demografischen Veränderungen, besonders jedoch wegen der Neuansiedlung von Industrie, Gewerbe, Forschung, Bildung oder Tourismus mit verändertem Verbrauchsverhaltens und an neuen Standorten sowie der Herausbildung neuer Siedlungsstrukturen entsprechend den neuen Beschäftigungsangeboten. Ohne eine gesicherte Trinkwasserversorgung ist der eingeleitete Strukturwandel nicht möglich.
Diese Situation wird flankiert von der angespannten hydrologischen Situation in der Lausitz durch Klimawandel und Bergbauvergangenheit sowie für die Verknappung der Wasserdargebote:
- sinkende Grundwasserstände und angespannte Speicherbewirtschaftung infolge stärker schwankender Niederschläge mit häufigen und lang anhaltenden Trockenphasen
- Defizite bei den Abflüssen der Oberflächengewässer durch zurückgehende Einleitung aus der Tagebauentwässerung
- verminderte Grundwasserneubildung wegen der Auffüllung großer Absenktrichter als Folge der Einstellung der Tagebaue
- erhöhte Verdunstungsraten durch die neu entstehende Seenlandschaft
- erhebliche Eisen- und Sulfatbelastungen im Abstrom ehemaliger Kippenbereiche
Um den Strukturwandel erfolgreich gestalten zu können, wird es notwendig sein, dass verfügbare Wasserdargebot für die Trink- und Brauchwasserversorgung optimal zu nutzen und überregional zu verteilen. Die örtlichen Wasserversorger haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Anforderungen gemeinsam zu bewältigen. Nur durch Vernetzung und intelligentes Wassermanagement werden sie in der Lage sein, die Anforderungen des Strukturwandels zu meistern. Dass aus den Zwängen der Bergbautätigkeit entstandene Verbundsystem bekommt jetzt, da der Bergbau aus dem Lausitzer Revier verschwindet, eine neue Bestimmung. Es bildet die Ausgangsbasis für einen neuen zukunftsweisenden Trinkwasserverbund, damit es die neuen Anforderungen erfüllen kann. Dazu muss es angepasst, umgebaut und erweitert werden. Zur Finanzierung der damit verbundenen Investitionen benötigen die Aufgabenträger der öffentlichen Wasserversorgung Unterstützung durch Fördermittel.
Die 34 Teilnehmer der Fachexkursion waren sichtlich beeindruckt von denen zurzeit realisierten und zukünftig geplanten Baumaßnahmen. Nach der Besichtigung einzelner Bauabschnitte wurde eine rege Fachdiskussion unter den Teilnehmern geführt.
Hintergrund:
Im Lausitzer Revier haben sich die fünf Trinkwasserversorger ewag kamenz, Kommunale Versorgungsgesellschaft Lausitz mbH, Versorgungsbetriebe Hoyerswerda GmbH, Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverband und der Wasserverband Lausitz zu der länderübergreifenden kommunalen Arbeitsgemeinschaft „Trinkwasserverbund Lausitzer Revier“ zusammengeschlossen. Dieser Verbund ist länderübergreifend auf einer Fläche von ca. 3.200 km2 tätig und betreibt ein Fernleitungsverbundsystem mit ca. 240 km Länge. In dem Gebiet werden insgesamt ca. 250 000 Einwohner mit Trinkwasser versorgt.

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